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Rückblick Präsident Dr. Hermann Gruber

Rückblick Präsident Dr. Hermann Gruber

Zweiundzwanzig Jahre durfte ich dem Wiener Skiverband vorstehen und damit der Präsidentenkonferenz des ÖSV angehören. Meine Beziehung zum erfolgreichsten Sportverband Österreichs umfasst sogar dreißig Jahre, da ich nach der Skiweltmeisterschaft in Saalbach 1991 in meiner damaligen Tätigkeit als Vorstand der Steirerbrau eine Kooperation mit dem ÖSV eingegangen bin. Aus dieser ergaben sich für den Verband eine deutlich verbesserte finanzielle Ausstattung, für Gösser-Bier ein Marktzuwachs und bei Rennen in Österreich zahlreiche Neuerungen. Die ersten VIP-Zelte waren Bierzelte, es kam zur Vermarktung der Bewerbe durch den ÖSV und dem Einstieg der WWP als Vermarktungspartner. Den Weltcuprennen am Semmering ging eine entscheidende Initiative des von mir vertretenen steirischen Unternehmens voraus und dieses war auch beim Zustandekommen der Auftaktbewerbe in Sölden engagiert.

Zum für mich bis dahin unbekannten Wiener Verband stieß ich, als dessen damalige Granden mich um Mithilfe bei der Ausrichtung Österreichischer Alpiner Meisterschaften im Jahr 2000 baten. Erstmals hatte man sich um einen solchen Event beworben, wollte jedoch kein Risiko eingehen. Da als Veranstaltungsort St. Lambrecht in der grünen Mark vorgesehen war, in der ich Kontakte hatte, sagte ich zu. Dank gewonnener Sponsoren war eine anspruchsvolle Organisation mit Bewerbung, VIP-Zelt und regelmäßigen Berichten in den Medien möglich. Alle Stars des ÖSV waren am Start und beim Super G wurden 6000 Zuschauer gezählt. Weil diese Meisterschaften ein großer Erfolg waren, ja sogar Geld für den Verband blieb, trat bei dessen Jahreshauptversammlung im Juni 2000 Präsident Schwarzinger zurück und ich wurde – außerhalb einer Wahlperiode – zum Chef gekürt.

In Wien galt es zunächst, sich um die Finanzen zu kümmern und die Struktur zu straffen. Bereits im ersten Jahr konnte die Dotierung der Referatsbudgets erhöht und ein positiver Jahresabschluss erzielt werden, wie dann auch in meiner ganzen Ära eine erfolgreiche Bilanzierung möglich war. Um nach den abgetretenen Brüdern Bernd und Werner Kladler sowie Sandra Kaiser wieder Skispringer in Wien zu rekrutieren, wurde im Sommer 2003 und 2004 je ein „Talentesuchspringen“ auf der Donauinsel organisiert. Gesprungen wurde auf der Mobilschanze der „Neuper-Group“, sportlich betreut wurde das Springen von Christian Moser, der vom Wiener Verband dafür engagiert worden war. Es bildete sich eine Gruppe junger Springer und nach einigen Turbulenzen wurden 2005 die “Wiener Stadtadler“ gegründet, finanziell unterstützt über das Scout Center Ost des ÖSV. Sie sind der einzige Verein, der sich derzeit in Ostösterreich aktiv mit Sprunglauf befasst und ein Faktor in der Springerszene. Neue Akzente wurden auch im Städteskilauf gesetzt. Die personell aus dem Wiener Verband für den ÖSV betreute FISCIT-Rennserie konnte im Leistungsniveau deutlich gehoben werden und ist mittlerweile allgemein für den Nachwuchs, nicht bloß für Städter, eine gute Möglichkeit, internationale Rennerfahrung und Punkte zu sammeln. Besonderes Augenmerk wurde weiters auf Snowboard gelegt. Mit Lukas Pachner schaffte ein Wiener die Aufnahme in den ÖSV Kader und brachte es bis zur Teilnahme an Weltmeisterschaften und zweimal an Olympischen Winterspielen. Stark ist Wien auch in der immer aktueller werdenden Freeridesparte engagiert. Ein besonderes Highlight war 2013 die 100-Jahrfeier im Wiener Rathaus mit Herausgabe des Jubiläumsbuches „Es begann in Wien. Eine Spurensuche im Schnee“. Beim Festabend, der Beachtung in zahlreichen Medien, auch im ORF, gefunden hat, waren die ÖSV-Führung und zahlreiche Landespräsidenten anwesend.

Mit Präsident Peter Schröcksnadel, Dr. Klaus Leistner und manch anderen Repräsentanten des ÖSV und aus den Landesverbänden entwickelte sich im Laufe der Jahre ein vertrauensvolles und freundschaftliches Verhältnis, das die Zusammenarbeit im Skiverband sehr angenehm gemacht hat. Dreißig Jahre Verbundenheit mit dem Skisportgeschehen, davon zweiundzwanzig an der Spitz eines Landeverbandes, rechtfertigen zusammen mit dem Älterwerden aber den Wunsch nach Veränderung. Anderen Gegebenheiten und Zeiten tun neue Ideen und Zugänge gut. Eine bereits im vergangenen Jahr geplante Hofübergabe im Wiener Verband scheiterte an der unerwarteten Absage des ins Auge gefassten Nachfolgers. In der Jahreshauptversammlung am 24. Juni d. J. wurde nun nach einigen Spannungen zwischen Vereinen und einem zur Vermeidung einer Kampfabstimmung erfolgten Verzicht des Kandidaten Mag. Thomas Mollik, der mir in den Jahren meiner Präsidentschaft als Kassier eine wertvolle Hilfe war, als neuer Präsident der 45-jährige Wiener Bezirksrat Roland König gewählt. Mit ihm zieht ein weitgehend neues und junges Team in den stark erweiterten Vorstand ein.

Ich bedanke mich bei allen für die erwiesene Unterstützung und jahrelange Zusammenarbeit und wünsche dem Wintersport, dem Wiener Verband und dem ÖSV alles Gute!

 Dr. Hermann Gruber


Skispringen in Wien

Skispringen in Wien

Es ist ja kaum zu glauben: Aber einst gab es drei Skisprungschanzen in Wien. Auf der Schanze am Cobenzl fanden in der Zwischenkriegszeit Großveranstaltungen mit über 10 000 begeisterten Zuschauern statt und auf der Himmelhofschanze wurde noch Ende der Siebzigerjahre gesprungen. Leider wurde diese Anlage im Sommer 1980 nach einer feuchtfröhlichen Feier einer Bande ein Raub der Flammen.

Doch auch ohne Schanze wurde von Wienern/Innen weiter dem Sprunglauf gefrönt und an Wettkämpfen teilgenommen. Die Brüder Bernd und Werner Kladler konnten Ende des vorigen Jahrhunderts und um die letzte Jahrtausendwende herum beachtliche Erfolge erzielen. Werner war Österreichischer Schülermeister sowie OPA (Organisation der Alpenländer) Sieger und verpasste nur knapp die Aufnahme in den ÖSV-B- Kader. Bernd sprang auf der Kulm-Schanze bei Mitterndorf über 150 Meter. Die für den Wiener Verband springende Sandra Kaiser gehörte dem ÖSV Damenteam an und gilt als Pionierin des Damenspringens.

Als die arrivierten Wiener Springer Anfang des neuen Jahrhunderts ausbildungs- bzw. berufsbedingt und auch der bisherige Sprunglaufreferent aufgehört hatten, gab es kurzfristig keine Springer in Wien. Um solche zu rekrutieren wurde vom Wiener Verband im Sommer 2003 auf der Donauinsel ein „Talentesuchspringen“ organisiert. Gesprungen wurde auf der Mobilschanze der „Neuper Group“ mit Unterstützung durch „INERSPORT“. Für die sportliche Betreuung war vom Verband zuvor Christian Moser, Medaillengewinner im Team bei den Olympischen Spielen in Lillehammer, gewonnen worden. Der Zuspruch war beachtlich. An die hundert Kinder nahmen begeistert teil und so wurde eine Fortsetzung im nächsten Jahr vorgesehen. Diese drohte zunächst wegen des überraschenden Ausstiegs des Sponsors Intersport zu scheitern. Über Vermittlung des vom WSV Chef Dr. Gruber zu Hilfe gerufenen ÖSV Präsidenten Schröcksnadel sprang jedoch die OMV im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit dem Skiverband im Nordischen Sektor ein. Das Springen war wieder ein Erfolg und es blieb ein Kern von etwa einem Duzend Kindern, die weiter springen wollten.

Die Wiener Stadtadler sind derzeit der einzige Verein in Ostösterreich, der sich aktiv mit Sprunglauf befasst. Er ist mit seinen Springern längst ein Faktor in der Springerszene, vor allem in den Kinder- und Schülerklassen. Bei der Kindervierschanzentournee stellen die jungen Adler aus Wien immer wieder Gesamtsieger - auch bei den Mädchen. Der Stadtadler und Stams-Schüler Mario Mendel gehörte 2013 dem Team an, das beim European Youth Olympic Festival in Rumänien eine Bronzemedaille ersprang. Übertroffen wurde dieser vom aus Wien Donaustadt kommenden Schüler des Skigymnasiums Saalfelden Louis Obersteiner, der wie Mandl bei den Stadtadlern ersten Schliff als Springer bekommen hat. Dank der Erfolge des jungen und ehrgeizigen Talents im Austria Cup der Springer (Klasse Schüler) konnte ihm vom Wiener Verbandspräsidenten 2020 ein Kopfsponsor vermittelt werden. Nach einem Österreichischen Jugendmeistertitel im Jänner 2022 holte Obersteiner bei den Europäischen Jugendspielen 2022 in Finnland Gold mit der Mannschaft und Silber im Mixed-Bewerb (den es früher jedoch nicht gab).